…Gegen den 15. August wurde es offenbar, dass große Ereignisse sich vorbereiteten. Eines Nachmittags, als ich auf einem kleinen Rasenhügel den Marterpfahl herrichtete, kam Paul angerannt, um mir eine ganz unglaubwürdige Neuigkeit mitzuteilen: „Onkel Jules kocht!“ Ich war so überrascht, dass ich mein Unternehmen sofort im Stich ließ, um die mysteriöse Tätigkeit von Onkel Jules als Koch aufzuklären. Er stand vor dem Herd und überwachte eine Bratpfanne, in der dicke, goldgelbe Plätzchen zischend in kochendem Fett bruzzelten…
Marcel Pagnol: Eine Kindheit in der Provence
Eine Kindheit in der Provence gehört unbestritten zur Menge meiner Lieblingsbücher. Es ist ein Sommerbuch. Elf Jahre ist Marcel alt, 1906, als er mit seiner fünfköpfigen Familie von Marseille in die Provence aufbricht, um dort einige Wochen zwischen spannenden Jagdabenteuern und nichtsnützigem Sein seine Ferien zu verbringen. Landschaft und Menschen um ihn werden in heiter-launischer Weise lebendig, wie nur ungekünstelte Poesie sie zustande bringt. Fast spürt man den leichten Wind auf der Haut, der die Thymiansträucher durchstreift und hört wie von weitem das unverwechselbare Zirpen der Zikaden in der Abendwärme. Onkel Jules, der eigentlich Thomas hieß, diesen Namen allerdings aus einem höchstamüsanten Grund aber unmöglich behalten konnte und „zeitlebens ein Katalane blieb“ wird man lieben müssen, noch mehr Joseph, der sich vom einfachen Lehrer hingebungsvoll nach vorn arbeitet: Marcels Vater, dessen Porträt auch in diesem Buch zu nichts anderem als einer Liebeserklärung wird. Dann ist da noch Lili, der kleinen Bauernjunge und Marcels Freund in der Sommerfrische. Mit ihm entdeckt er manch Geheimnis der Höhlen, des Tierreichs und des einfachen Lebens in der Natur. Eines Tages erscheint ein weiteres, bis dahin uninteressantes Wesen: Isabelle…
Marcel Pagnol wurde 1895 in Aubagne geboren und starb 1974 in Paris. Er studierte Literaturwissenschaft und Anglistik, schrieb Theaterstücke und war zunehmend fasziniert vom aufstrebenden Medium Film, was sich sogar in einer eigenen Filmgesellschaft niederschlug „Eine Kindheit in der Provence“ schrieb er mit über 60 Jahren und erlangte damit Weltruhm.
Es gibt eine schöne Taschenbuchausgabe von Piper, die nur empfehlenswerte 10.95 kostet.
Übersetzt von Pamela Wedekind.