Fenchel,

Liebe Leserinnen und Leser

habe ich in den vergangenen 13 Monaten so viel gegessen wie meine ganzes Leben vorher nicht. Ehrlich – obwohl ich Gemüse sehr liebe – steht es nicht ganz freiwillig auf meinen täglichen Speiseplan, sogar oft zweimal am Tag. Aber: Ich bin sehr dankbar für dieses Knollengewächs, es ist so schön mild, es ist nicht zu teuer und es ist ein heimisches Produkt! Wie oft habe ich schon beim Zubereiten laut vor mich hingesagt: Geliebte Fenchel. Sie fragen sich vielleicht weswegen? Deswegen: 

Felix Mendelsohn-Bartholdy nannte seine große Schwester Fanny Fenchel und in etlichen seiner Briefe nutzte er diese zärtliche Anrede für sie.  Die beiden standen sich sehr nahe. Hochbegabt, Felix wohl auch hochsensibel. Sie wurden früh gefördert von ihrer ebenfalls sehr talentierten Mutter Lea Salomonl. Streiten konnten sich Fanny und Felix allerdings wohl, sie waren auch Konkurrenten und für Mädchen war es nicht einfach ihren Stand zu behaupten. Doch selbst wenn sie gelegentlich aneinander litten, ihre geschwisterliche Liebe blieb unangefochten.

Geboren worden sind sie wie die weiteren Geschwister nur unter dem Namen Mendelsohn. Erst ab 1823 trug die ganze Familie den Namen Bartholdy als Zusatz. Als Felix 10 Jahre alt war hatte ein preußischer Prinz dem Knaben auf der Straße lachend „Hep, Hep!“ entgegengerufen, den Kampfruf einer latenten allerdings unverhohlenen Judenverfolgung, die im August und September 1819 durch Teile Deutschlands zog. 

Fanny Mendelsohn litt lange darunter keine eigenen Werke in Drucklegung bringen zu können. Öffentlich vorspielen durfte sie schon. Aber es geziemte sich für die damalige Gesellschaft nicht, dass Frauen mit eigenen Produktionen Geld verdienten. Es galt als eine Art Unehre für deren Ehemänner und Herkunftsfamilien. Meine Güte!  

Als Fanny mit 42 Jahren völlig unerwartet starb war Felix vom Tod der geliebten Schwester so erschüttert, dass seine Seele wie gelähmt war und  für seinen ohnehin stark geschwächten Körper – er hatte sich in seiner Begabung völlig verbraucht – waren die Belastungen zu hoch. Er starb ein halbes Jahr nach ihr, mit 38 Jahren. Felix Mendelsohn-Bartholdy galt als einer der Klaviervirtuosen seiner Zeit und selbst, wenn Sie nicht viel mit seinem Namen anfangen könnten und keines seiner Werke kennen, eines haben Sie mit Sicherheit schon 100fach gehört. Den Hochzeitsmarsch 🙂

Dieses Buch habe ich anlässlich einer Ausstellung in Berlin zum 150.Jahrestag 1997 der beiden Geschwister gekauft. Es ist sehr ansprechend aber eben ein Sachbuch. Wenn Sie Lust haben mehr unterhaltend über Fanny und Felix zu lesen dann ist mein absoluter Favorit von Peter Härtling: Liebste Fenchel. Das Leben der Fanny Hensel-Mendelssohn in Etüden und Intermezzi. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2011

Bleiben Sie beschützt und ach ja:

vergessen Sie nicht, sich rechtzeitig zum Salon anzumelden. Am 23. Oktober, ganz gemütlich herbstlich fein. Näheres hier:  Und Herr Rilke antwortet mit einem Gedicht

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